Der Anblick einer Toten, die Panik vor dem Verkehr, die Anträge bei Ämtern und Versicherungen, das Unverständnis von Behörden und Familie. Das «Jetzt ist doch auch mal gut», nur fünf Monate nach dem Anschlag. Mit «Wunde Stadt» hat das Theater Magdeburg eine Inszenierung uraufgeführt, die eineinhalb Jahre nach dem schrecklichen Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt Opfern und Hinterbliebenen eine Bühne gibt. Donnernd schleifen die Stuhlbeine über die Theaterbühne. Immer im Kreis, immer im Kreis. Zehn Schauspieler, zehn Stühle, vierzig Stuhlbeine. Immer im Kreis. So wie die Gedanken der Menschen, die mit den Folgen des Anschlags zu kämpfen haben. Opfer, Ersthelfer, Seelsorger. Autor Kevin Rittberger, der vom Theater mit dem Schreiben eines Textes beauftragt wurde, hat im Jahr nach dem Anschlag viele Menschen getroffen und zugehört. Er war in Gesprächskreisen von Betroffenen und lässt sie zu Wort kommen. Die Bühne als großer Stuhlkreis. Proteste und Kritik vor Uraufführung Die Inszenierung ist nicht unumstritten. Vorher hatte es Proteste und Kritik gegeben - nicht nur von Betroffenen. Es ging um die Sorge vor einem voyeuristischen Blick auf das Leid der Menschen und darum, dem Täter keine Bühne zu geben. Im vergangenen November gab es eine Demonstration vor dem Magdeburger Theater, das kurz zuvor in einer Umfrage des Fachmagazins «Theater heute» zur besten Bühne des Jahres gewählt worden war. Vor allem Personen aus dem rechten Milieu hätten die Mahnwache abgehalten, teilte das Theater damals mit. Es sei ein Versuch gewesen, Kunst zu verhindern. «Das ist ein Angriff auf einen Grundpfeiler unserer Demokratie», hieß es damals in einer Mitteilung. Zur Premiere und einer der letzten Proben waren auch mehr als 30 Betroffene eingeladen. Ärztliches Personal stand vor dem Zuschauerraum bereit - für den Fall, dass jemand das Stück nicht mehr aushielt. Fragen über Fragen - auch an die Verantwortlichen Der Anschlag vom 20. Dezember 2024 mit sechs Toten und mehr als 300 zum ...
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