SPIEGEL: Warum haben Sie ihn geschrieben?Levine: Die Idee kam mir, als ich während meiner Facharztausbildung in einer therapeutischen Einrichtung für traumatisierte Mütter arbeitete. Wir unterstützten sie dabei, eine sichere Bindung zu ihren Kindern aufzubauen, so kam ich in Kontakt mit der von Psychiater John Bowlby und Mary Ainsworth entwickelten Bindungstheorie. Zur gleichen Zeit litt ich unter der Trennung von meiner damaligen Partnerin und bekam den Eindruck: Auch bei Erwachsenen erklärt der individuelle Bindungsstil so viel.SPIEGEL: Für alle, die es noch nicht kennen: Können Sie das Konzept kurz erklären?Levine: Ich unterscheide vier Bindungsstile: ängstlich, vermeidend, sicher und ängstlich-vermeidend – je nachdem, wie wichtig jemandem Intimität und Nähe ist und wie empfindlich man auf vermeintliche Bedrohungen dieser Nähe reagiert. Der ängstliche Typ braucht viel Bestätigung und fürchtet um die Beziehung, sobald zu viel Abstand entsteht. Für den vermeidenden Typ ist es umgekehrt, er schätzt seine Eigenständigkeit und fühlt sich in einer engen Partnerschaft schnell erdrückt. Der sichere Typ kann mit beidem umgehen: Er mag Nähe, bekommt aber nicht sofort Panik, wenn der Partner sich mal nicht meldet. Wer ängstlich und vermeidend ist, verhält sich in Beziehungen oft widersprüchlich. Erst will man ganz viel Intimität, dann hält man sie nicht aus.
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