Im fünften Jahre des großen Ukrainekrieges, der zwischen Russland und Europa wieder eine Art Eisernen Vorhang zuzieht, während Amerika sich vom Kontinent entfernt, erscheint Sebastian Haffners (1907 bis 1999) politische Studie über die deutsch-russischen Beziehungen in einer neuen Ausgabe.Der brillante Essayist zeichnete in ihr im Umbruchjahr 1968 das historische Drama nach, das in die damalige Wirtschaftswunderphase mündete. Unter dem Titel „Der Teufelspakt“ erzählt der während der NS-Zeit nach England emigrierte und in den Fünfzigerjahren nach Deutschland zurückgekehrte Autor das für das zwanzigste Jahrhundert schicksalhafte Hassliebesverhältnis beider Länder, deren Anführer sich verbündeten, einander ausnutzten und betrogen.Sebastian Haffner: „Der Teufelspakt“HanserWie Haffner das Machtkalkül, die Sachzwänge und paradoxen Schachzüge der Staatslenker schildert, liest sich wie ein Krimi, der in der geschichtsvergessenen BRD das ausgeblendete Russland und was die Deutschen im Zweiten Weltkrieg dort angerichtet hatten, wieder ins Bewusstsein rückte. Haffners postum erschienene „Geschichte eines Deutschen“ über einen anderen Teufelspakt, nämlich den seiner Landsleute mit Hitler, ist im heutigen, neostalinistischen Russland ein Bestseller und wird dort von vielen als Parabel auf das Putin-System gelesen. Doch damals schilderte der Autor den Sowjetstaat, der im Zenit seiner Macht stand, streckenweise so, wie der sich selbst gerne sah. Daher ist dem Buch ein einordnendes Nachwort des Historikers Karl Schlögel beigegeben.Das halbe Jahrhundert, das Haffner anhand seiner Staatsintrigen vorstellt, beginnt nach der Februarrevolution 1917, als das gegen Russland Krieg führende Deutschland den in der Schweizer Emigration darbenden Lenin als Geheimwaffe nach Petrograd schleuste, wo er die kampfeswillige Übergangsregierung seines Landes stürzte und um der bolschewistischen Herrschaft willen einen Separatfrieden mit dem kaiserlichen Feind schloss.Haffner betont das Teuflische dies...
First seen: 2026-05-24 19:58
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