SPIEGEL: Viele Menschen glauben, dass gute Zusammenarbeit Einigkeit über Ziele, einen klaren Plan und stabile Rollen erfordert. Welche dieser Annahmen erweisen sich in harten Konfliktsituationen als falsch?Kahane: In Kontexten, in denen die Komplexität und der Konflikt gering sind, funktioniert konventionelle Zusammenarbeit gut. Ein normales Arbeitsteam, eine Sportmannschaft, ein Orchester – dort ist jeder bereit, sich dem gemeinsamen Ziel unterzuordnen. Es ist möglich und sinnvoll, sich über das Problem, die Lösung, den Plan und die Aufgabenverteilung zu einigen. Aber wenn die Komplexität hoch ist, der Konflikt extrem oder sogar beides, kann konventionelle Zusammenarbeit nicht funktionieren. Ein völlig anderer Ansatz ist erforderlich, den ich Stretch Collaboration nenne.SPIEGEL: Das heißt?Kahane: Wenn wir mit Menschen zusammenarbeiten, mit denen wir nicht übereinstimmen, die wir nicht mögen oder denen wir nicht vertrauen, brauchen wir andere Wege. Dabei lassen wir Konflikt und Unsicherheit bewusst zu, um gemeinsam neue Lösungen zu erschaffen.
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