Klar geht einem das nahe, gerade wenn man selbst ein Kind hat. Im Gerichtssaal allerdings musste ich all das ausblenden. Meine Aufgabe war es, neutral zu sein, unparteiisch, gerecht. Wer, wenn nicht ich, sollte objektiv bleiben? Natürlich gab es Fälle, die schwer auszuhalten waren: Schilderungen von Gewalt. Verletzungen, Missbrauch. Aber ich bin ein rationaler Mensch und habe gelernt, meine Emotionen zu kontrollieren. Ich kann im Gerichtssaal nicht anfangen zu weinen oder wütend werden. Vielleicht ist das die eigentliche Kunst in meinem Beruf: nah genug dran zu sein, um Menschen zu verstehen – und gleichzeitig weit genug entfernt, um gerecht zu bleiben.
First seen: 2026-05-26 07:29
Last seen: 2026-05-26 11:32