Glosse: Das Streiflicht

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(SZ) Nun verstehe einer die Menschen. Kaum ist das Zittern und Frösteln der vergangenen Monate vorbei, gibt das Heidelberg Institute for Geoinformation Technology eine Routing-Anwendung heraus, die möglichst schattige Routen vorschlägt. Wie die Katholische Nachrichtenagentur vermeldet, beschränkt sich die App vorerst auf 80 deutsche Städte mit jeweils mehr als 100 000 Einwohnern. Wer in Gießen oder Kleve unterwegs ist, muss sich seinen Schattenweg weiterhin selbst suchen, was ja eigentlich als lösbare Aufgabe angesehen werden darf: Selten ist Schwarz-Weiß-Denken so erwünscht wie in diesem Fall, obgleich auch hier dem planerischen Vorausschauen Grenzen gesetzt sind. Wie es hinter der nächsten Ecke mit dem Sonnenbeschuss aussieht, wissen oft weder Pfadfinder noch Ortskundige, geschweige denn weiß es der Fremde, der auf der Flucht vor der Sonne permanent die Straßenseite wechselt. Eine strapaziöse Übung, die man während der Wintermonate unter entgegengesetzten Vorzeichen vollzieht und, getrieben von dem unstillbaren Verlangen nach Vitamin D, immerzu der sonnigen Seite der Straße hinterherläuft.

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