Der Weg zu einem kleinen Vermögen wird bekanntermaßen dadurch erleichtert, dass man mit einem großen beginnt. Dieser Tipp hilft den meisten zwar nicht weiter, ist aber dennoch realistisch: Aufstiegschancen hängen von den Startvoraussetzungen ab – und selbst wenn diese gut sind, kann man sie verschleudern. Faktisch gelingt es jedoch vielen, ein vorhandenes Vermögen zu vermehren oder zumindest zu erhalten. Das liegt auch an sozialer Unterstützung. Entscheidend ist nicht Reichtum, sondern Rückhalt in einem Netzwerk, das Chancen verteilt, Verluste abfedert und Pech in eine Unannehmlichkeit verwandeln kann. Wer oben bleibt, ist dort selten allein.Eine kürzlich veröffentlichte Studie der am MIT tätigen Soziologin Shay O’Brien belegt dies anhand der Oberschicht der Stadt Dallas. Sie analysiert einen Datensatz, der für den Zeitraum von 1841 bis 1963 Informationen über mehr als 20.000 Personen, ihre Verwandtschaftsbeziehungen, ihren Wohlstand, ihre politische Macht und ihren sozialen Status enthält. Diese Individuen waren erstaunlich eng miteinander verknüpft: 78 Prozent von ihnen waren durch nahe Verwandtschaft in ein großes Familiennetz eingebunden. Wichtige Schaltstellen in diesem Netzwerk waren sogenannte „kinship interlocks“. Diese entsprechen den aus der Wirtschaftssoziologie bekannten „board interlocks“: Verflechtungen, die entstehen, wenn dieselben Personen in mehreren Aufsichtsräten sitzen. Im verwandtschaftlichen Zusammenhang bündelt ein „kinship interlock“ die Nähe zu drei Ressourcen: Geld, Macht und Status. Wohl dem, zu dessen Verwandten eine Millionärin, ein Lokalpolitiker und ein anerkannter Wohltäter gehören und der auf ihre Hilfe zählen kann.Agnes und Betty – gleich, aber doch andersÜber solche Familienverflechtungen konnte sich die Oberschicht jahrzehntelang reproduzieren. Sie gewährten einerseits Schutz: Ein geschrumpftes Vermögen konnte durch Status ersetzt, ein Skandal durch politische Beziehungen abgefedert, eine mögliche Strafverfolgung durch eine infor...
First seen: 2026-05-27 16:55
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