(SZ) In abgelegenen, von der Zivilisation kaum verdorbenen Gegenden sollen Menschen leben, für die das Auto nur ein Fortbewegungsmittel ist, die Weiterentwicklung des Ochsenkarrens. Das ist natürlich ein inakzeptabler, nahezu steinzeitlicher Zustand, den die übrige Menschheit längst überwunden hat, allen voran die Deutschen. Für sie ist das Auto ein sakraler Gegenstand, für dessen Anbetung eigens Messen veranstaltet werden, wo Männer – ja, es sind meistens Männer – die neuesten Modelle mit einer Liebe streicheln, wie sie keine Frau je erfahren hat. Was ist schon die Lebensgefährtin gegen das Lebensgefährt? Es ist das Auto, das den Mann im Sinne von Nietzsches respektive Pindars Befehl „Werde, der du bist!“ zu sich selbst finden lässt. Wer etwa einen Opel kauft, offenbart andere Wesenszüge als der Käufer eines Porsches. Im Körper des Opel-Mannes lebt oft ein kleiner Spießer, dessen Einflüsterungen zu Bausparverträgen und Schlagermusik führen, wohingegen sich der Porsche-Mann den Göttern näher fühlt, was er bei Tempo 280 auch ist.
First seen: 2026-05-28 16:14
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