Kolumne „Schön doof“: Berliner Wahlkampfknaller

https://rss.sueddeutsche.de/rss/Alles Hits: 2
Summary

Die Botschaft war rätselhaft. „Unf*ck Berlin“, so forderten es die Aufkleber und Graffiti, die kürzlich überall in der Hauptstadt auftauchten. Rätselhaft war der Slogan, weil Berlin ja landläufig für das Gegenteil von „Unfucking“ bekannt ist. Schließlich besteht die Faszination dieser Stadt doch seit Jahrzehnten darin, dass man angeblich aus egal welchem Provinzdorf hierherziehen kann, um endlich mal völlig ungezügelt und mit wem man will … nun ja, eben das Gegenteil von „unfucking“.Seit einem Bekennervideo vor wenigen Tagen ist klar: Es handelt sich dabei um eine Guerilla-Kampagne der Partei Volt, die im September erstmals ins Abgeordnetenhaus einziehen will. Sie schreibt: „Packen wir es an. Wir unf*cken Berlin.“ Die Partei verspricht damit natürlich nicht ein Verbot der legendären Sexpartys im Kit-Kat-Club, sondern das Ärmelhochkrempeln angesichts der vielen Großprobleme (marode Schulen, überteuerte Mieten, ein lügender Regierender Oberbürgermeister). Wählt Volt, lautet die Botschaft, und alles wird besser, Verzeihung, unfucked!Aber nicht nur bei den jungen Wilden von Volt wird in diesem Wahlkampfsommer auffallend vulgär geredet. Selbst der grundsolide Stefan Evers, der nach dem Rückzug von Kai Wegner auserkorene Spitzenkandidat der CDU, ist auf den F-Zug aufgesprungen. Seit seiner Nominierung vor zwei Wochen würzt Evers seine Beiträge auf Social Media völlig überraschend mit einem herzhaften „LFG!“ oder auch: „Let’s fucking go!“Das ist extra bemerkenswert, weil Evers, bisher Finanzsenator, in etwa so locker rüberkommt wie, sagen wir, eine Excel-Tabelle auf dem Arbeitslaptop eines Bohrmaschinenvertreters. Dass Wahlkampfstrategen ausgerechnet diesem Mann einen Schlachtruf auf den Leib geschrieben haben, den man eher Hulk Hogan zugetraut hätte, sagt vermutlich irgendwas über die Verzweiflung in der Berliner Union.Der Tagesspiegel hat den Trend zum F-Wort zuerst entdeckt und einen Experten für politische Kommunikation dazu befragt, der ihn mit der „Socialmedialisieru...

First seen: 2026-07-23 08:58

Last seen: 2026-07-23 09:59