Auslegungssache 164: Angriff auf die Informationsfreiheit

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Summary

Seit 2006 gilt in Deutschland ein damals für revolutionär gehaltenes Prinzip: Jeder Mensch darf beim Staat Informationen anfordern, ohne dafür einen bestimmten Grund nennen zu müssen. Das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) drehte die alte Logik des Amtsgeheimnisses um. Nun plant die schwarz-rote Koalition, dieses Recht drastisch einzuschränken. In Episode 164 des c't-Datenschutz-Podcasts diskutieren Redakteur Holger Bleich und heise-Verlagsjustiziar Joerg Heidrich mit einem der prominentesten Kämpfer für Transparenz, was die Pläne bedeuten würden. Weiterlesen nach der Anzeige Arne Semstrott podcastet in der Auslegungssache. Zu Gast ist Arne Semsrott, Projektleiter der Plattform „FragDenStaat“ bei der Open Knowledge Foundation. Über das Portal wurden in 15 Jahren mehr als 330.000 Anfragen an Behörden gestellt und die Antworten unter Wahrung des Datenschutzes veröffentlicht. Skandale wie die Maskenaffäre von Jens Spahn oder Ungereimtheiten rund um die Plagiatsaffäre von Franziska Giffey kamen erst durch solche Anfragen ans Licht. Semsrott erinnert daran, dass das erste Informationsfreiheitsgesetz der Welt bereits 1766 in Schweden entstand und heute weltweit fast alle Staaten ein solches Recht kennen – in Europa fehlt es nur in Belarus. Grundrecht zur Disposition Genau dieses Recht steht jetzt zur Disposition. Die Koalition will den Kreis der Anspruchsberechtigten stark einschränken: Nur noch natürliche Personen mit einem „berechtigten Interesse“ sollen Anfragen stellen dürfen, beschränkt auf in Deutschland lebende Deutsche und Unionsbürger. Damit fielen Organisationen wie FragDenStaat oder Verlage heraus. Auch Journalisten wären betroffen, wenn sie auf andere Auskunftsansprüche verwiesen werden. Semsrott, Bleich und Heidrich zeigen im Gespräch auf, dass das voraussetzungslose Recht auf Information damit ausgehöhlt würde. Wer sein Interesse offenlegen müsste, gefährdete als Journalist bereits seine Recherche. Hinzu kommen weitere geplante Einschränkungen: mehr Ausnahmet...

First seen: 2026-07-24 05:14

Last seen: 2026-07-27 12:27