Es war eine Rolle. Handwerk und Kunst des Schauspiels: Uwe Steimle spielte von 1994 bis 2009 den Kriminalhauptkommissar Jens Hinrichs in der Krimireihe „Polizeiruf 110“, Standort Schwerin – so charaktervoll und nuanciert, dass er dafür 2005 den Grimme-Preis bekam. Im „Polizeiruf“, der einzigen Sendung aus dem Fernsehen der DDR neben dem „Sandmännchen“, die die Wiedervereinigung dauerhaft überstand, hat nur Jaecki Schwarz häufiger als Steimle einen Chefermittler gespielt. Auch der ist ein Schauspieler mit hohem Identifikationspotenzial im Osten Deutschlands. Steimles Kommissar Hinrichs war zu Beginn ein Anfänger in dem Job – und das in einem Polizeiapparat und einer Gesellschaft, die damit beschäftigt waren, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Das hat sich in den Krimis widergespiegelt. Es gab Phasen in der Karriere dieses Fernseh-Ermittlers, in denen er dachte, an den Rand gedrängt oder aussortiert zu werden, weil er mit seiner DDR-Biografie nun einmal zu den Verlierern der Geschichte gehöre. Diesen Eindruck hatte dann auch Uwe Steimle selbst, als der Schweriner „Polizeiruf“ nach 31 Folgen nicht weitergeführt wurde. Der Schauspieler und Kabarettist, dessen berühmteste Rolle die eines Staatsdieners war, wurde selbst immer stärker zu einem, der diesen Staat ernsthaft infrage stellt. Wie in diesen Tagen besonders deutlich zu erleben war, als er auf einer AfD-Bühne mit einem gewaltsamen Tod von Angela Merkel und Friedrich Merz kokettierte.
First seen: 2026-07-24 11:21
Last seen: 2026-07-24 11:21