Rüdiger von Fritsch war dabei, wenn deutsche Politiker zu Besuch in Moskau glaubten, Putin ins Gewissen reden zu können. Jetzt hat er in seinem Buch »Die Geschichte in mir« über sein vielleicht schwierigstes Thema geschrieben: seinen eigenen Vater. Der trat früh der NSDAP bei, war in der Waffen-SS, Teil der Besatzungsmacht in Litauen – und hielt bis zu seinem Tod an seinen Überzeugungen fest. DIE ZEIT: Herr von Fritsch, wie wächst man mit einem überzeugten Nazi als Vater auf? Rüdiger von Fritsch: Als Kind nimmt man alles, was die Erwachsenen erzählen, als selbstverständlich hin. Ich begann, aus den verschiedenen Erzählungen meinen eigenen Flickenteppich der Vergangenheit zusammenzusetzen. Dazu gehörte bei uns, dass einerseits die Familien meiner Eltern unendliche Verluste im Krieg erlebt hatten: den Verlust an Heimat, an Hab und Gut, vor allem aber an Menschen. Die Brüder meiner Eltern waren gefallen. Unser Vater reichte uns die Erklärung dazu: Deutschland wurde angegriffen, musste sich verteidigen, und die anderen sind schuld an dem, was geschehen ist.
First seen: 2026-07-25 04:35
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