Während heute mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in einer der zehn „Gigantensprachen“ kommunizieren, gab es zwischen Bronzezeit und europäischem Mittelalter viel mehr verschiedene Redeweisen. Das zumindest haben Linguisten mittels Computermodellen ermittelt.Als die Menschen in Babel einen mächtigen Tempel errichteten, verständigten sie sich noch in einer einzigen Sprache. So heißt es zumindest im Alten Testament, im Ersten Buch Mose. Doch von Hybris getrieben, wollten sie ihren Turm bis in den Himmel bauen. Deswegen schickte Gott eine Strafe: die babylonische Sprachverwirrung. Aus der gemeinsamen Ursprache wurden viele Sprachen, sodass die Menschen einander nicht mehr verstanden und sich in die ganze Welt verstreuten. Der Turm blieb unvollendet.Als mögliches reales Vorbild für diese alttestamentarische Geschichte gilt oft der Tempelturm Etemenanki, eine dem babylonischen Reichsgott Marduk gewidmete Zikkurat in der Hauptstadt Babylon, der im 6. Jahrhundert v. Chr. entstand. Etwa zu jener Zeit könnte tatsächlich die größte Sprachenvielfalt auf der Welt geherrscht haben, meinen die Autoren der Studie „The rise and fall of language diversity through the Holocene“ (übersetzt: „Aufstieg und Fall der Sprachvielfalt seit der letzten Eiszeit“). Möglicherweise verständigte sich die Menschheit in einer Zeit von etwa 1000 v. Chr. bis 1000 v. Chr. in Zehntausenden verschiedener Sprachen.Sogar von einem „Goldenen Zeitalter“ ist in der Studie die Rede, die ein internationales Forschungsteam aus Spanien, den USA und Deutschland im Fachblatt „Science“ veröffentlicht hat. Denn zuvor, zu Beginn des Holozäns vor etwa 12.000 Jahren, seien noch weniger Sprachen gesprochen worden, möglicherweise „nur“ 4500 bis 6200. Dann habe die Vielfalt zugenommen, weil die Bevölkerung wuchs.Vor etwa 1000 bis 3000 Jahren setzen die Forscher den Höhepunkt der Sprachenvielfalt an. Zu diesem Zeitpunkt könnten bis zu zehnmal so viele Sprachen gesprochen worden sein. Das wären dann ganz grob um die 50.0...
First seen: 2026-07-26 05:52
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