Die Ruinen liegen nicht einmal einen halben Meter tief in der Erde, doch wer sie suchen will, braucht gute Nerven. „Ich habe noch nie einen Ort gesehen, an dem es schwieriger ist zu graben“, sagt der Archäologe Stefan Hauser von der Universität Konstanz. Die Luft sei schlecht dort, in dieser verlassenen Gegend nördlich von Basra im Süden des Irak. Firmen fördern Erdöl und fackeln das ausströmende Erdgas ab. So setzen sie Schadstoffe frei. Die iranische Grenze ist nah, mit etwas Pech stoßen die Forscherinnen und Forscher im Boden auf Minen, Relikte des Iran-Irak-Krieges in den 1980er-Jahren. Und überhaupt, dieser Boden. Anderswo könne man mit einer Hacke hineinschlagen, und je nach Krafteinsatz und Winkel löse man damit Material heraus, sagt Hauser. Aber dort sei der Boden so dicht, da sei das anders: „Da federt die Hacke zurück.“Doch die Mühe lohnt sich, davon ist der Archäologe überzeugt. Oder besser: Sie würde sich lohnen. Im irakischen Boden liegen die Überreste einer antiken Weltstadt, gegründet einst von Alexander dem Großen als Alexandria am Tigris. Einer Hafenstadt, die unter dem Namen Charax Spasinou ein Dreh- und Angelpunkt des Handels mit Indien und China war, bevor sie verlassen wurde. Die Ruinen dieser Stadt haben das Potenzial, das Bild der Antike nachhaltig zu verändern. Man müsste sie nur ausgraben. Doch ob es dazu kommt, ist unsicher.„Wir sind gerade an einem Tiefpunkt“, sagt Stefan Hauser, der die Forschung vor Ort leitet. Zuletzt habe er von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zwei Absagen erhalten, trotz hervorragender Bewertungen der Gutachter, sagt er. Dabei wäre er auf das Fördergeld angewiesen. Seine Zeit ist begrenzt: Ende 2029 geht der Wissenschaftler in den Ruhestand, und sein Lehrstuhl für Mediterrane und Vorderasiatische Archäologie werde wohl nicht nachbesetzt, sagt Hauser. Im Irak stellten die Behörden gerade die bisherigen Vereinbarungen infrage. Und jetzt herrscht in der Nachbarschaft auch noch Krieg. Was das bedeutet? „Man weiß nie,...
First seen: 2026-03-25 09:44
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