Zeitgeschichte in Wolfratshausen: Schriftzüge der Versöhnung

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Es sind nur zwei goldene Schriftzüge, doch sie haben es in sich. Wer durch das Foyer des Waldramer Schulzentrums Sankt Matthias zur Aula geht, durchschreitet gleichsam ein Portal: Auf der linken Seite leuchten die ersten Worte des jüdischen Glaubensbekenntnisses „Schma Jisrael“ auf einer fünf Meter hohen Holzwand; auf der rechten korrespondiert ein Bibel-Zitat aus dem Lukas-Evangelium mit ihnen: „Friede diesem Haus“. Dort, wo sich heute Foyer und Aula befinden, stand bis vor 70 Jahren die Hauptsynagoge des DP-Lagers Föhrenwald und bis 1998 die Pfarrkirche Sankt Josef der Arbeiter. „Jetzt endlich würdigen wir diese einzigartige Geschichte mit einem Kunstwerk“, sagt Manfred Bugl, Stiftungsdirektor von Sankt Matthias.Die hebräische Inschrift zitiert das „Schma Jisrael“ ... Manfred Neubauer... die altgriechische das Jesuswort „Friede diesem Haus“. Manfred NeubauerBugl führt seit Jahren Besuchergruppen durch den modernen Schulkomplex, der ein Gymnasium, ein Kolleg und eine Fachoberschule beherbergt. „Jüdische Gäste waren häufig enttäuscht oder gar verletzt, dass nichts hier an die einstige Synagoge erinnert“, sagt er. Das Gleiche gelte für ältere Seminaristen oder alteingesessene Waldramer, die ihre alte Kirche vermissten. „Wir sind immer wieder angegangen worden, warum wir uns hier breit gemacht haben, ohne der Vergangenheit einen Platz einzuräumen.“Vergangenheit gibt es in Waldram reichlich und geballt, vor allem im „Badehaus“ neben dem Schulgelände. Der Erinnerungsort erforscht und dokumentiert die einzigartige Geschichte der Siedlung, die ursprünglich den Namen Föhrenwald trug. Die Nationalsozialisten hatten sie während des Zweiten Weltkriegs als Mustersiedlung für Rüstungsarbeiter in den Wolfratshauser Forst gebaut. Nach dem Krieg entstand auf dem Gelände ein Lager für jüdische Holocaust-Überlebende – das letzte „Schtetl“ in Europa. 1956 wurde es geschlossen. Danach siedelten sich katholische Heimatvertriebene in Föhrenwald an, das fortan Waldram hieß.Auf den ersten...

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