Eine politisch weitgehend übersehene Biodiversitätskrise schwimmt in unseren Flüssen: Wandernde Süßwasserfische gehören inzwischen zu den am stärksten gefährdeten Wildtieren auf dem Planeten. Bisher wurde ihnen international allerdings wenig Beachtung geschenkt, gerade einmal 24 schützenswerte Arten listete das seit Langem existierende „UN-Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten“ (CMS). In einem neuen Bericht korrigiert das CMS diese Zahl deutlich nach oben: auf 349. Diese Arten gelten als bedroht und bedürfen internationaler Schutzmaßnahmen, weil sie auf ihren Wanderungen Ländergrenzen überschreiten.Dem Bericht zufolge sind die Populationen wandernder Süßwasserfische weltweit seit 1970 bereits um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Das liegt daran, dass diese Fische auf lange, ununterbrochene Flüsse angewiesen sind, die Laich-, Nahrungs- und Aufzuchtgebiete miteinander verbinden. Einige Arten legen in ihrem Leben bis zu 10.000 Kilometer zurück. Ihre Lebensräume werden aber degradiert, weil Staudämme die Flüsse zerstückeln und Feuchtgebiete in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt werden. Das blockiert die Wanderrouten der Fische. Hinzu kommen Wasserverschmutzung durch Abwässer sowie Überfischung, da wandernde Süßwasserfische Hunderte Millionen Menschen auf der ganzen Welt ernähren. Auch der Klimawandel setzt Süßwassersystemen zu, indem er etwa die Dynamik von Flussmündungen verändert. Der Meeresspiegel steigt, während die Abflussmenge der Flüsse wegen der sich häufenden Extremwetter zwischen Hochwasser und Trockenheit schwankt. Dadurch sterben immer mehr Fische an den artenreichen Flussdeltas der Erde.Erderwärmung stört empfindlich die Biologie der FischeWandernde Tierarten leiden besonders stark unter den Folgen des Klimawandels, weil sie die Veränderungen gleich an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Lebensräumen zu spüren bekommen. Darüber hinaus gerät die innere Uhr von ihnen durch die Erderwärmung aus dem Takt, wodurch ...
First seen: 2026-03-25 15:51
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