Lars Klingbeil hat Friedrich Merz beim Wort genommen. Der Kanzler will, dass es sich lohnen muss, mehr zu arbeiten. Also hat der Finanzminister einen Vorschlag gemacht, der in Deutschland sprunghaft für mehr Arbeit sorgen soll: die Abschaffung des Ehegattensplittings.Wie das geht? Ganz einfach: Weil das Splitting viele Frauen angeblich davon abhält, Vollzeit oder überhaupt zu arbeiten, muss es weichen. So entstehe, jedenfalls nach Darstellung der Bertelsmann-Stiftung, eine Zunahme des Arbeitsvolumens um etwa fünf Prozent, was umgerechnet 175.000 zusätzlichen Arbeitsstellen entspreche.Die Berechnung ist eine Variante unter den vielen Versuchen, das Ehegattensplitting als ungerecht oder ökonomisch widersinnig darzustellen. Die SPD griff solche Berechnungen immer schon begierig auf. Denn die Abschaffung des Ehegattensplittings ist seit Jahrzehnten ein fester Programmpunkt der Partei. „Es hindert Frauen an Erwerbstätigkeit und hält sie hartnäckig in der Rolle von Zuverdienerinnen“, hieß es schon vor fünfzehn Jahren in ihrem Parteiprogramm über das Splittingmodell. Es sei „gesellschaftlich ungerecht“ und hindere Frauen an ihrer „beruflichen Emanzipation“.Warum es sich nicht lohnt zu arbeitenAuch die Studie, auf die sich Klingbeil berief, schlägt in diese Kerbe. Viele Frauen geben demnach an, für sie lohne es sich nicht, zu arbeiten oder statt Teilzeit in Vollzeit zu wechseln. Klingbeil sprach von einer „Teilzeit-Falle“, in der das Ehegattensplitting viele Frauen gefangen halte. Er erwähnte nicht, dass die große Mehrheit der Frauen in der Studie angibt, dass sie sich lieber der Familie widmen will – unter verheirateten Frauen waren das immerhin 64 Prozent, unter Hausfrauen sogar 77 Prozent.Solche Zahlen stacheln die SPD aber eher an, als dass sie sich vom Sinn des Ehegattensplittings überzeugen ließe. Der besteht nicht darin, ein traditionelles Familienbild zu zementieren, sondern darin, dass Ehegatten nicht schlechter gestellt sein dürfen als geschiedene Paare oder Unver...
First seen: 2026-03-26 16:12
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