Tracey Emin in London: Voller Angst und gleichzeitig furchtlos

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Die Reaktion überrascht auch deshalb, da wir mittlerweile so viel gewöhnt sind. Weil es doch nichts Neues mehr sein sollte. Schließlich hat MeToo die britische Künstlerin Tracey Emin längst eingeholt. Seit zehn Jahren wird weibliches Leid ständig im öffentlichen Raum gezeigt. Frauenfeindlichkeit, Missbrauch, Scham, Vergewaltigung, Mikro- und Makroaggressionen gehören zur täglichen Berichterstattung, werden dargestellt und angeprangert.Warum dann diese viszerale Reaktion? Die große Retrospektive von Emin in der Tate Modern mit dem Titel „Second Life“ reißt einen förmlich auseinander. Schon im Museum muss man sich als Frau mehrfach Tränen wegwischen, und draußen an der frischen Luft, am Südufer der Themse, kommt es dann zu lösenden Schluchzern, während sich nicht nur die Passanten fragen: Was hat sie denn? Man könnte meinen, es läge an der Autorin und ihrer individuellen Tagesform. Es würde hier auch nicht erwähnt, wenn es eine Einzelbeobachtung wäre. Doch auch die Kritikerin des „Guardian“ schreibt, dass sie die Ausstellung als „weinendes Wrack“ verlassen und seit Jahren nicht mehr so viel empfunden habe. Die „Times“ warnt, dass in der Schau „Narben wieder wehtun“.Tracey Emins Kunst bewegt die Menschen seit JahrzehntenDieses tiefe Mitgefühl des Publikums ist besonders in England erstaunlich, wo Tracey Emin seit Jahrzehnten für Schlagzeilen sorgt. In den Neunzigerjahren gehörte die Künstlerin zu den sogenannten Young British Artists, den YBAs, die vom abgerockten Londoner East End aus die internationale Kunstwelt aufmischten. Ihr Anführer war Damien Hirst, und ihre Kunst diente keinen hochgeistigen Konzepten, sondern der Produktion von Aufmerksamkeit.Der Torso als adäquate Expression der Gefühle: Tracey Emins Bronze „Ascension“ von 2024 dreht Rodins „Iris“ noch ein ganzes Stück weiter.Foto: Tracey EminDarin waren sie so erfolgreich, dass ihre Kunst regelmäßig fuchsteufelswilde Kritiken in den Boulevardzeitungen produzierte: Das Spiel der YBAs mit Sex, Perversion, Tod ...

First seen: 2026-03-26 16:12

Last seen: 2026-03-26 18:14