Kompliziert wird es bei der Frage, welche Menschen genau der Kanzler und sein Vize länger im Büro, der Fabrikhalle oder dem Krankenhaus sehen wollen. Klingbeil ist am Mittwoch in seiner Rede bei der Bertelsmann Stiftung konkreter geworden (mehr hier ). Er denkt vor allem an Frauen und Ältere.Das Ehegattensplitting? Soll weg, zumindest für künftige Ehen. Und auch der Idee von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die beitragsfreie Mitversicherung in den gesetzlichen Krankenkassen für Ehepartner mit niedrigem oder gar keinem Einkommen zu streichen (mehr hier ), kann der SPD-Chef einiges abgewinnen. Die Frage ist nur, ob seine Partei mitgeht. Von Klingbeils Vorschlag, die Anreize zur Frührente zu schreddern, ganz zu schweigen.Um sich den Rückhalt der Sozialdemokraten zu sichern, hat Klingbeil ein neues Diskussionsformat erfunden: die Runde der Häuptlinge. Alle Ministerpräsidenten, Spitzenkandidaten, Führungsleute der Bundestagsfraktion, Präsidiumsmitglieder sowie wichtige Bürgermeister und Landräte der SPD kommen an diesem Freitag ins Willy-Brandt-Haus. Anders als auf Parteitagen, wo eher linke Funktionäre und die Jusos den Ton angeben, werden bei dem Treffen in der Parteizentrale die Pragmatiker dominieren. Jene Frauen und Männer also, die für die SPD noch Wahlen gewinnen.»Klingbeil erhofft sich von der Runde ein Mandat und Rückenwind für Verhandlungen der kommenden Wochen«, schreibt mein Kollege Andreas Niesmann. »Die werden noch schwierig genug.«Doch wovon hängt es wirklich ab, ob und wie viele bezahlte Arbeitsstunden Frauen leisten wollen? (Bei unbezahlter Arbeit liegen sie ohnehin weit vor den Männern, dieser Hinweis sollte nie vergessen werden.) Das haben die Ökonomen Vanessa Bammert und Claus Michelsen analysiert. Ihre Erkenntnisse könnten die Koalition erhellen. Es geht nicht nur darum, was als Nettolohn herausspringt. Sondern auch darum, wie flexibel sich Arbeitsstunden verteilen lassen oder ob es weibliche Vorbilder gibt: Chefinnen.
First seen: 2026-03-27 05:19
Last seen: 2026-03-27 10:23