Deutschland stand einmal in dem Ruf, die Welt von seinem Militär und vom Krieg her zu betrachten. Aber zwei verlorene Weltkriege und ein Kalter Krieg, während dessen die sicherheitspolitische Verantwortung nicht ganz freiwillig an die Vereinigten Staaten ausgelagert worden ist, haben das gründlich umgekehrt. Die intellektuelle, politische, sogar militärische Elite denkt sich immer noch lieber eine Welt, in der Krieg für uns eigentlich keine Rolle spielt.Den Militärhistoriker Sönke Neitzel treibt diese Trägheit zu drastischen Äußerungen. „Die Welt wie wir sie kannten, ist zu Ende“, sagte er auf dem F.A.Z.-Kongress am Freitag in Frankfurt. Die Struktur der transatlantischen Absicherung löse sich auf. Aber hier falle das Umdenken „extremst schwer“. „Es war so warm und kuschelig, das passte alles so. Jetzt müssen wir hinausgehen in den Regen.“„Bundeswehr bringt die PS nicht auf die Straße“Dass der Bundestag zusätzlich hunderte Milliarden Euro für die Stärkung der Verteidigung eingeführt hat, sei ein richtiger und notwendiger Schritt gewesen. „Ohne Geld geht es nicht.“ Aber das Personalproblem der Bundeswehr bleibe ungelöst. Dass nicht eine Auswahlwehrpflicht eingeführt wurde, sei „ein großer Fehler“. Aber die Geschwindigkeit der Veränderungen sei viel zu gering, es gelinge nicht, „die PS auf die Straße zu bringen“. Externe Inhalte aktivieren So seien in der Bundeswehr mehr als 50 Prozent des Personals in der Verwaltung beschäftigt, im „Overhead“. Kein Unternehmen würde so überleben. Unternehmen stünden im Wettbewerbsdruck, etwa zu China. „Der Druck, dem Armeen ausgesetzt sind, ist der Krieg.“ Da die deutsche Armee damit seit 1945 – bis auf wenige Jahre mit wenigen Personen in Afghanistan – nicht ausgesetzt gewesen sei, „fehlt der Marktdruck“.Es fehle Expertise. So sei der jüngste Rechnungshofbericht „eine Rasur für Pistorius“ gewesen, sagte Neitzel mit Blick auf den Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Aber das interessiere niemanden in Deutschland, weil e...
First seen: 2026-03-27 17:29
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