Branko Milanović: „Der Westen muss langfristig einen relativen Abstieg erleben“

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Der Titel Ihres neuen Buches „The Great Global Transformation“ erinnert an Karl Polanyi, der 1944 erklären wollte, wie das Zeitalter der Globalisierung zu zwei Weltkriegen führen konnte. Stehen wir heute vor einem vergleichbaren Bruch der globalen Ordnung?Natürlich gibt es große Unterschiede zwischen der Welt, die Polanyi beschrieben hat, und der unseren. Doch wenn man nur einen Blick auf den Irankrieg wirft, erkennt man, dass das Zeitalter der Globalisierung zu Ende ist. Egal wie dieser Krieg ausgehen wird, das Ideal des freien Handelsverkehrs ist außer Kraft gesetzt. Iran wird die Macht, die er über die Straße von Hormus ausübt, in Zukunft öfter einsetzen, um seine politischen Ziele zu erreichen. Aber das ist nur ein Beispiel von vielen. Handelssanktionen, Investitionshindernisse, Grenzen für Migranten, Protektionismus, die Aufteilung der Welt in Einflusssphären – all das sind Anzeichen dafür, dass die neoliberale Weltordnung, die den Globus seit den Achtzigerjahren bestimmt hat, vorbei ist.Wenn man auf einige der Statistiken blickt, die Sie in Ihrem Buch präsentieren, scheint der Neoliberalismus aber doch ein großer Erfolg gewesen zu sein. Die globale Ungleichheit etwa ist beträchtlich gesunken.Branko Milanović lehrt an der City University of New York.dpaWenn man auf die Welt als Ganze blickt, muss man tatsächlich von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Die Einkommensschere zwischen den Ländern ist kleiner geworden, die weltweite Armut hat sich enorm verringert. Das ist Asien zu verdanken und vor allem natürlich China, das in den vergangenen Jahrzehnten einen beispiellosen Aufstieg erlebt hat. Noch nie in der Weltgeschichte, auch nicht während der europäischen industriellen Revolutionen, haben so viele Menschen so schnell und so kräftig ihren Wohlstand gesteigert. China hat seinen Anteil am globalen BIP seit 1974 verzehnfacht. Doch es geht nicht nur um China. Indien etwa ist inzwischen ökonomisch viermal gewichtiger als sein ehemaliger Kolonialherr. Das hat mit der...

First seen: 2026-03-28 14:41

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