Wirtschaftliche Lage: Das Gespenst der Deindustrialisierung

https://www.faz.net/rss/aktuell/ Hits: 19
Summary

Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst der Deindustrialisierung. Es taucht auf in den Reden von Politikern und in den Mahnungen von Unternehmern. Mal ist von einer „schleichenden Deindustrialisierung“ (CDU-Chef Friedrich Merz als Oppositionsführer) die Rede, mal befindet sich der Industriestandort „im freien Fall“ (BDI-Präsident Peter Leibinger). Gestützt wird die Deindustrialisierungsthese von der seit Jahren im Trend rückläufigen Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes und von Meldungen über Personalabbau vor allem in der Automobilindustrie: Im Volkswagen-Konzern sollen bis 2030 rund 50.000 Stellen wegfallen. Bosch will im selben Zeitraum 20.000 Stellen in Deutschland streichen.Wie dramatisch ist die Lage wirklich? Drei Forschungseinrichtungen – das Ifo-Institut, das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und die Bertelsmann-Stiftung – haben die Entwicklung aus allen möglichen Perspektiven beleuchtet und versuchen abzuschätzen, wie es weitergehen wird. In den Studien, die der F.A.Z. vorab vorliegen, liefern sie ein Bild in Grautönen: Die deutsche Industrie schrumpft und verliert in der Welt Marktanteile. Es gibt aber auch Hoffnungsvolles zu berichten.1. Strukturbruch, aber kein AbbruchDie Krise der Industrie begann nach Ansicht der Ökonomen vor knapp zehn Jahren. Seit 2017 ist die jährliche Bruttowertschöpfung der Industrie preisbereinigt um 7,5 Prozent gesunken. Etwa eine halbe Million Industriearbeitsplätze sind seitdem verschwunden. „Was die Industrie seit Jahren erlebt, ist ein tiefgreifender Strukturbruch – ein Wandel, der über zyklische Schwankungen weit hinausgeht“, sagt Michael Grömling, der am IW in Köln forscht. Vor allem die energieintensive Industrie, zum Beispiel die Metall- und Papierindustrie, hätten schon in den 2010er-Jahren begonnen, Fabriken und Beschäftigung hierzulande abzubauen.Besonders bedenklich stufen die Ökonomen die andauernde Investitionsschwäche in Deutschland ein. Im vergangenen Jahr sank die Investition...

First seen: 2026-03-28 20:44

Last seen: 2026-03-29 14:54