Kleidung hat die Funktion, den Körper zu bedecken und ihn damit vor Kälte, Sonne, Regen und Wind zu schützen. Mode hingegen ist ein Ausdrucksmittel. Es dient der Selbstdarstellung, kann Kunst sein, ein Spiel oder ein Kommunikationsweg. Dabei geht es nicht um den praktischen Aspekt von Kleidern. So ist es nicht nur interessant, was ein Stoff wie bedeckt, sondern auch, was er freilässt. Auch im Winter liegt derzeit freizügige Mode im Trend, die mehr ent- als verhüllt; der Hang zur Entblößung ist von Laufstegen über soziale Medien bis hin zu roten Teppichen zu beobachten: Die Sängerin Chappell Roan trug bei den Grammys ein Kleid, das ihre Brüste entblößte. Louis Vuitton und Ferragamo zeigen Kleider, die an Negligés erinnern, und Musikerinnen treten in BHs auf.Überall sehen wir nackte Haut. Doch woran liegt das? Ist das freizügige Auftreten womöglich ein Resultat der Body-Positivity-Bewegung? Markiert es Selbstbestimmung und weibliche Emanzipation? Oder geht es letztendlich nur um eine Provokation, die weniger mit Rollenbildern als mit einer gezielten Blickökonomie spielt? Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Schließlich wird bei dem Trend nicht nur Haut gezeigt, sondern auch mit Sexyness gespielt. Die alte Marketingregel „Sex sells“, nach der Frauen, die in der Werbung knapp bekleidet als Verführerinnen inszeniert und dabei auf Sexualobjekte reduziert werden, Verkäufe ankurbeln, drängt sich auf. Doch die aktuelle Freizügigkeit ist komplexer als das: Nicht nur allein Produkte werden beworben, sondern auch die wenig bekleideten Frauen selbst, die allen voran durch Social Media immer mehr zur Marken werden.Vor allem weibliche Brustwarzen markieren ein TabuBesonders gern wird derzeit Unterwäsche, die doch als eines der privatesten Kleidungsstücke gilt, von Designern in Szene gesetzt. Bei der Präsentation der aktuellen Herbst-Winter-Kollektion von Miu Miu in Paris blitzten die Träger und Ansätze von Retro-Satin-BHs unter absichtlich über di...
First seen: 2026-03-29 08:50
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