Frau Spoljaric, Israel und die USA führen Krieg gegen Iran. Wie erleben Ihre Mitarbeiter vor Ort die Lage?Die Menschen sind verunsichert und verängstigt. Sie wissen nicht, wie und wo sie sich in Sicherheit bringen können. Dazu tragen auch Drohungen bei, wie die, dass die Energieinfrastruktur zerstört werden könnte. Wenn Sie keinen Zugang mehr zu Strom oder Wasser haben, dann müssen Sie genauso fliehen, wie wenn Ihr Haus angegriffen wird.Haben Sie den Eindruck, dass für die Erreichung von Kriegszielen in Iran überproportional hohe zivile Opfer und Schäden an ziviler Infrastruktur in Kauf genommen werden?Ja, absolut. Nicht nur in Iran, sondern im ganzen Nahen Osten beobachten wir im Moment eine grassierende Regellosigkeit, was das Kriegsrecht betrifft. Die Genfer Konventionen verbieten Angriffe auf die Zivilbevölkerung. Wenn man sich daran nicht mehr hält, dann werden Kriege zwischen Kriegsparteien zu Kriegen gegen die Zivilbevölkerung. Sie ist dieser Eskalation am direktesten und brutalsten ausgeliefert. Das humanitäre Völkerrecht zu missachten, ist selbstzerstörerisch. Jeder Einzelne in jedem Land auf dieser Welt wird früher oder später die Auswirkungen des Nahostkriegs spüren.Steckt hinter der Kriegsführung gegen Iran womöglich die Strategie, ziviles Leben unerträglich zu machen, um einen Volksaufstand zu provozieren?Ziviles Leben unmöglich zu machen, ist eine Strategie, die wir seit Jahren in den verschiedenen Konfliktgebieten beobachten, ob nun in Gaza, Sudan, der Ukraine oder jetzt gerade im Süden Libanons. Die Zivilbevölkerung wird instrumentalisiert, um militärische Ziele zu erreichen. Das sind Kriege zur Aushöhlung der Existenzgrundlage ganzer Bevölkerungen.Was sind die von allen Staaten der Welt ratifizierten Genfer Konventionen noch wert, wenn sich niemand daran hält?Die Stärke des Rechts liegt letztlich in seiner Umsetzung. Das gilt für das nationale Recht genauso wie für das internationale Recht. Wir müssen die Staaten wieder dazu bringen, dass sie sich a...
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