Im Frühjahr 1598 ist ein Wal vor einem Fischerdorf in Holland gestrandet. Vier Tage lag er da, mit den Flossen zuckend, bis er verendete. Die Menschen strömten herbei, um das Phänomen zu besichtigen. Zeichnungen wurden angefertigt und auf Flugblättern verbreitet, samt Deutungsversuchen: Ein schlimmes Omen?Das Land befand sich mitten in einem achtzigjährigen Unabhängigkeitskrieg. Mehr als drei Dutzend Walstrandungen wurden in dieser Zeit vermerkt, jedes Mal Ereignisse, welche die Menschen bewegten.Was menschlich istDass der Wal, der dieser Tage in der Ostsee gestrandet ist, enorme Aufmerksamkeit erfährt und das Ereignis vielfältig gedeutet wird, ist also menschlich. Die Webcam ist das Flugblatt unserer Zeit. Soll sich ruhig auch der Ministerpräsident die Sache ansehen und dabei sehen lassen.Fragwürdig ist aber der Aufwand, der betrieben wurde, um das Tier freizubekommen. Welche Chancen das Unterfangen dauerhaft haben würde, konnten nicht einmal die fachkundigen Biologen seriös beurteilen, geschweige denn, ob damit ernsthaft dem Tierwohl gedient war. Geht es um Artenschutz, dann gibt es sowieso ganz andere Aufgaben als die Rettung eines Tieres.Da waren die Holländer der Frühneuzeit bei allem Schaudern doch pragmatischer. Das Rentamt der Provinz versteigerte den Kadaver, aus dem Knochen, Tran und Zähne verwertet werden konnten, für 136 Gulden.
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