Social-Media-Verbot: Weder wissenschaftlich fundiert noch effektiv

https://netzpolitik.org/feed/ Hits: 212
Summary

Für die 17-jährige Emilia, die seit kurzem das Abitur in der Tasche hat und sich in ihrer Stadt als Jugendgemeinderätin engagiert, ist das von der Politik aktuell vorangetriebene Social-Media-Verbot für Minderjährige eine „impulsive Aktion“, die „die Versäumnisse der letzten Jahre wettzumachen versucht“. Zum einen habe die Politik vernachlässigt, Kinder und Jugendliche im Umgang mit Digitalmedien umfassend zu schulen. Zum anderen sei die junge Generation vor allem durch die vielen politischen Krisen psychisch belastet und fühle sich von der Politik alleingelassen, wie kürzlich auch die Trendstudie „Jugend in Deutschland“ zeigte. Das Schlimmste daran: Das Gefühl, von politischen Entscheidungsprozessen ohnehin ausgeschlossen zu sein, werde durch das diskutierte Social-Media-Verbot nur noch verstärkt. Mit dieser Einschätzung ist Emilia nicht allein. Bei einem Panel mit Expert*innen aus der Wissenschaft auf der Berliner Digitalkonferenz re:publica beleuchtete sie die Perspektive der Jugendlichen zum Social-Media-Verbot. Auch die anderen Panelist*innen waren sich durchweg einig, dass das Vorantreiben eines pauschalen Social-Media-Verbots nichts anderes als reine Symbolpolitik ist. „Ein pauschales Verbot vermittelt den Eindruck, dass endlich etwas getan wird“, sagte Hannes-Vincent Krause, Psychologe und Wirtschaftsinformatiker am Weizenbaum-Institut. Wissenschaftlich lasse sich so ein Verbot jedoch nicht halten – weder in Hinblick auf Notwendigkeit noch Effektivität. „Der Zusammenhang zwischen der Nutzungszeit von Social Media und mentaler Gesundheit ist genau so groß wie der Zusammenhang zwischen Kartoffeln-Essen und mentaler Gesundheit“, so der Panelist. Social-Media-Verbot empirisch nicht haltbar Auch laut einem aktuellen Diskussionspapier des Weizenbaum-Instituts gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege für „konsistente, starke negative Effekte“ sozialer Medien auf Minderjährige. Vielmehr ist die Wirkung kontextabhängig und kommt stark auf individuelle Disposit...

First seen: 2026-05-19 13:21

Last seen: 2026-05-28 12:09