Eigentlich hatte Egisto Ott Großes angekündigt. »Schweinereien« aufzudecken, Missstände, die die Republik erschüttern. »Lassen Sie sich überraschen«, hatte der ehemalige Chefinspektor des (inzwischen aufgelösten) Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) noch beim Prozessauftakt Anfang des Jahres gesagt. Aber die große Enthüllung, die Smoking Gun, die alle Vorwürfe als Verschwörung gegen ihn aufgeklärt hätte, kam nie. Auch nicht gestern, als Egisto Ott noch einmal die Möglichkeit bekam, ein letztes Mal vorzutreten, in die Mitte des Großen Schwurgerichtssaals des Wiener Straflandesgerichts, um sein Wort an die Geschworenen zu richten. Er schlug die Gelegenheit aus. Und wurde schließlich zu vier Jahren und einem Monat unbedingter Haft verurteilt, fast die Höchststrafe. Der Zweitangeklagte, der Datenforensiker Anton H., kam mit 15 Monaten bedingter Haft deutlich besser davon. Es ist das erste – noch nicht rechtskräftige – Urteil im größten Spionageprozess der jüngeren österreichischen Geschichte: Egisto Ott, langjähriger Beamter im BVT, wurde in den zentralen Punkten schuldig gesprochen, vor allem in den schwerwiegendsten wie Amtsmissbrauch und Spionage. Bei der Verlesung zeigte Egisto Ott, schwarzer Anzug, schwarzes Hemd, im Schoß gefaltete Hände, keine Regung. Er habe das Urteil »ruhig und gelassen« aufgenommen, sagte seine Anwältin später. Gegenüber den wenigen Journalisten, die an diesem langen Prozesstag bis zum frühen Abend durchgehalten hatten, war er zu keinem Kommentar bereit. Im Prozess ging es auch um eine Kanufahrt Es war ein Mammutprozess, der seit Jänner lief und bei dem es oft schwer war, den Überblick zu bewahren, angesichts der Fülle an Delikten, die die Staatsanwaltschaft zusammengetragen hatte. Im Kern ging es um die Frage, ob Ott Informationen und Datenträger über den flüchtigen Wirecard-Manager Jan Marsalek an russische Geheimdienste weitergegeben hat. Da ging es einerseits um Abfragen zu russischen Dissidenten und Kremlgegn...
First seen: 2026-05-21 11:57
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