Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Zwei Fälle von gastronomischem Extremismus

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Liebe Leserin, lieber Leser, beim Bezahlen neulich im Restaurant glaubte ich kaum, was ich sah. Verzehrt hatte ich zwei kleine Gerichte, einen Viertelliter Weißwein, außerdem Wasser und Brot. Dafür bezahlen sollte ich 18,80 Euro. Preise wie zur Wendezeit – und auch dann eher im Osten. Das Restaurant heißt Bouillon und hat vor ein paar Wochen am Rathausmarkt eröffnet. Es ist der erste deutsche Ableger einer dänischen Kette, die nicht nach der Suppe benannt ist, sondern nach den Arbeiterlokalen im Paris von anno dazumal. Das Konzept ist simpel: französische Küche, die sich jeder leisten kann – und das nicht im Fast-Food-Ambiente, sondern mit Stil. Im denkmalgeschützten Bau des Bouillon war bis vor Kurzem das Goldbach – ein Daniel Wischer de luxe. Ich fand die meisten Tische belegt, um vier Uhr nachmittags. Den Gesprächen nach saßen da vor allem Leute aus der Gastro-Szene, die sich mal ein Bild machen wollten. Neben mir draußen unter der Markise redete ein Influencer fiebrig in seine Kamera: Wie sich das überhaupt rechnen könne, so wenig Geld zu verlangen. Die Details sind mir entgangen; ich war mit dem Essen beschäftigt: drei gekochten grünen Spargelstangen mit lascher, aber spürbar hausgemachter Sauce Gribiche. Dann ein umso stärker gewürztes Rindertatar. Vom Fleisch habe ich vor lauter Senf wenig geschmeckt; es war aber von Hand geschnitten und schien in Ordnung zu sein. Das wäre auch mein etwas bemühtes Resümee: Es schmeckt okay im Bouillon. Man bekommt eine Menge fürs Geld. © Pia Bublies für die ZEIT/​DIE ZEIT Newsletter Elbvertiefung – Der tägliche Newsletter für Hamburg Erfahren Sie aus der Redaktion der ZEIT, was in Hamburg wichtig ist – prägnant, persönlich und pointiert, jeden Werktag um 6 Uhr. Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis. Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie das Newsletter-Abonnement. Als ich ein paar Tage später wieder dort vorbeikam, stand vor der Tür ein...

First seen: 2026-05-22 04:12

Last seen: 2026-05-22 04:12