Zu den bisher am wenigsten beachteten antisemitischen Tätern gehören Kinder. Dabei waren sie an zahlreichen Übergriffen beteiligt, zeigt der Historiker Frank Bajohr – längst nicht nur im Novemberpogrom 1938.Die Täter hatten sich gut vorbereitet: Um Fingerabdrücke zu vermeiden, trugen sie beim Platzieren ihrer selbst gebauten Bombe (der Oberstaatsanwalt beim Landgericht Münster sprach von einer „Höllenmaschine“) am Ziel Handschuhe. Und weil die Gefahr bestand, dass Spürhunde ihre Fährte hätten aufnehmen können, streuten sie Pfeffer aus. Die Ermittler, drei Kriminalsekretäre aus Recklinghausen, zeigten sich beeindruckt. Trotzdem konnten sie die Schuldigen überführen: Drei Gymnasiasten und ein „berufsloser“ 16-Jähriger hatten den Sprengstoffanschlag auf die Synagoge in Ahaus an der niederländischen Grenze in der Nacht zum 30. November 1934 verübt. Alle vier waren schon seit ihrer Kindheit im völkisch-antisemitischen Milieu sozialisiert worden und hatten bereits vor 1933 dem Nationalsozialistischen Schüler-Bund angehört, einer 1927 bis 1933 existierenden Parallelorganisation zur Hitlerjugend.Als eine niederländische Zeitung nachfragte, ob „die Festgenommenen zur Hitlerjugend und zur SA“ gehört hätten, erhielt das Blatt als Reaktion: „Der Bürgermeister antwortete uns, dass die Betreffenden nicht offiziell Mitglied dieser Organisationen sind“, berichtete das „Twentsch Dagblad Tubantia“ aus Enschede. „Bei den jugendlichen Tätern des Sprengstoffanschlags in Ahaus 1934 handelte es sich um keinen Einzelfall“, schreibt der Historiker und ehemalige Gründungsdirektor des Zentrums für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte München in der Mai-Ausgabe 2026 der „Zeitschrift für Geschichtswissenschaft“ (Metropol-Verlag, 96 S., 14 Euro). Vielmehr zeigten zahlreiche Quellen wie „zeitgenössische Ermittlungsakten, interne Lageberichte des NS-Regimes, aber auch Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungsberichte jüdischer Opfer“, dass Kinder und Jugendliche bei antisemitischen Gewalt...
First seen: 2026-05-23 09:33
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