Die „Bullenschweine“ waren noch okay – aber nackte Friseusen? Das geht zu weit. Wie linke Moralwächter die Kunstfreiheit abschaffen, die sie einst erkämpft haben.Die kulturelle Rezeptur zur Erregung öffentlichen Ärgernisses hat sich in den vergangenen 40 Jahren stark verändert. „Zwei Drittel Heizöl, ein Drittel Benzin“ besang die Hamburger Punk-Band Slime in den 1980er-Jahren das gängige Mischverhältnis zur hauseigenen Produktion von Molotowcocktails. Und wofür die gebraucht werden, konnte man sich ohne viel Fantasie beim Titel des Songs erschließen. „Wir wollen keine Bullenschweine“ hieß der und ging dann so: „Dies ist ein Aufruf zur Revolte / Dies ist ein Aufruf zur Gewalt / Bomben bauen, Waffen klauen / Den Bullen auf die Fresse hauen.“Damals, 1980, gab es eine Debatte über die moralischen Grenzen der Kunstfreiheit. Und jetzt, 46 Jahre (!) später, gibt es sie wieder. Doch statt über Polizeigewalt bzw. Gewalt gegen die Polizei sprechen wir heute über Mickie Krause und seine „zehn nackten Friseusen“. Das ist einer von zwölf Schlagern, die zur Erlanger Bergkirchweih auf einer Liste von unerwünschten Songs landeten, die die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt identifiziert und an die Wirte weitergeleitet hatten. Die Lieder seien nicht mehr zeitgemäß, sexistisch, frauenverachtend.„Es gibt 50.000 Weiber / Die haben einwandfreie Leiber / Doch ich sag no / Nananano ... / Ich will zehn nackte Friseusen / zehn nackte Friseusen, mit feuchten Haaren“, heißt es bei Krause, der den Song schon 1999 aufnahm und sich damit in die Herzen alkoholisierter Malle-Asis katapultierte, die mit ihren kognitiven Restfähigkeiten die Dichtkunst von Krause noch zu schätzen wussten.Jeder Mensch, der Kultur liebt, muss Mickie Krause natürlich aus tiefstem Herzen verachten. Und dennoch fühlt es sich falsch an, wenn ausgerechnet eine politische Behörde seine Songs, nein, nicht verbietet, nein, nicht „zensiert“, aber zumindest für unerwünscht erklärt. Das ist Ausdruck einer massiven kulturellen ...
First seen: 2026-05-27 14:53
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