In den Wohnungen rundum waren Bohrgeräusche zu hören. Doch niemand dachte sich etwas dabei. Renoviert wird schließlich ständig, und so gingen die Nachbarinnen und Nachbarn davon aus, dass in dem langgezogenen Backsteinkomplex an der Norderstedter Rathausallee mal wieder irgendwas saniert wurde. Auch bei der Haspa im Erdgeschoss hatte man nichts von den Bauarbeiten im Stockwerk darüber bemerkt. Die Räume, in denen früher eine Arztpraxis war, standen leer. Und es wurde an einem Samstag gebohrt – da war die Bank ohnehin geschlossen. So kam es, dass in jener unscheinbaren Filiale nördlich von Hamburg im August 2021 einer der spektakulärsten Banküberfälle der deutschen Geschichte gelingen konnte – ohne dass jemand etwas mitbekam. Die Bankräuber hatten sich vom Obergeschoss aus in den Tresorraum der Haspa durchgebohrt. Dafür hatten sie extra die leer stehenden Praxisräume angemietet und sich von dort ans Werk gemacht. Mit einem Kernbohrer durchstießen sie Mauerwerk und Stahlbeton und drangen direkt in den Tresorraum vor. Dort hebelten sie mehr als 600 Schließfächer auf und räumten sie aus. Einen Bewegungsmelder, der Alarm hätte auslösen können, hatten sie offenbar Tage zuvor während der Öffnungszeiten der Bank abgeklebt. Ein Riesenspektakel – mitten in einem Wohngebiet. Nachdem sie die Schließfächer geplündert hatten, legten die Täter in den Praxisräumen ein Feuer, offenbar um Spuren zu verwischen. Anschließend flohen sie mit einer Beute von rund 40 Millionen Euro. Unerkannt. Den Schaden trugen vor allem die Kundinnen und Kunden, deren Schließfächer ausgeräumt worden waren. Die Haspa entschädigte sie zwar, zahlte jedoch höchstens 40.000 Euro pro Person. Diese Obergrenze war in einer Klausel der Schließfachverträge festgelegt. Musste die Haspa mit dem Angriff rechnen? Einige betroffene Kundinnen und Kunden zogen vor Gericht und kämpften sich über Jahre durch mehrere Instanzen, um ihren Schaden vollständig ersetzt zu bekommen. Doch daraus wird nichts: Das Hanseatische Oberl...
First seen: 2026-05-27 18:56
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