Gleich einem unterdrückten Niesen, das sich gewaltsam seinen Weg bahnt, umso stärker, je mehr man es unterdrückt: So flucht und beleidigt John, schreit jeden sozial unerträglichen, normalerweise unangebrachten Gedanken gewaltsam heraus. Für alle hörbar, ob im Supermarkt oder in der bevölkerten Fußgängerzone. John Davidson hat Koprolalie, eine besonders heftige Form der neuropsychiatrischen Erkrankung Tourette, bei der Betroffene auch unkontrollierbare vulgäre Ausdrücke von sich geben. Bei den britischen Filmpreisen Bafta kam es deshalb zum Eklat. Davidson schrie das N-Wort aus dem Publikum, als die Schauspieler Delroy Lindo und Michael B. Jordan, beide Schwarze, auf der Bühne standen. Davidson verließ den Saal. Wütende, verletzte, entschuldigende Stellungnahmen folgten. Der britischen Öffentlichkeit ist Davidson schon seit rund vier Jahrzehnten bekannt: 1971 geboren, wurde er durch eine BBC-Dokumentation (John’s Not Mad, 1989) berühmt, die ihm als Teenager durch die Straßen seiner Heimat Galashiels folgte, einer Kleinstadt unweit der schottisch-englischen Grenze. Selbst die Queen nahm irgendwann Notiz von ihm und überreichte ihm 2019 den Orden Order of the British Empire für seinen Einsatz zur Aufklärung über Tourette.
First seen: 2026-05-28 16:14
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