Wahrscheinlich muss man es so machen, wenn man diese Oper inszeniert, an diesem Ort. Ob Richard Wagners „Rienzi“ wirklich die Lieblingsoper Adolf Hitlers war, ist umstritten, ein Erweckungserlebnis war sie für ihn allemal. „In dieser Stunde begann es“, soll Hitler über den Besuch einer Linzer Aufführung in jungen Jahren gesagt haben. Und tatsächlich enthält der Stoff schon alles, nicht bloß den Aufstieg eines selbst ernannten Volkstribunen, sondern auch das Ende in einer alles mit sich reißenden Katastrophe. Das Besondere am Nationalsozialismus waren ja weniger die skrupellosen Methoden des Aufstiegs und Machterhalts als vielmehr der blutige Untergangsrausch: Die mit Abstand meisten Opfer starben, als für alle ersichtlich nichts mehr zu retten war. Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Sie erzählen hier eine Geschichte vom Pferd. Gut, in der Dresdner Uraufführung des Stücks spielte das Tier auch schon eine Rolle, aber bloß als Fortbewegungsmittel für den Volkstribun. Hier in der lettischen Hauptstadt Riga ist der Schimmel eine Art Leitmotiv der Inszenierung, wie er in seinem erhabenen Weiß einfach dasteht zwischen den Sängern in ihren monochromen Kostümen – oder wie es, zu einem Paket verschnürt, einfach stumm daliegt. Das dänische Regieteam erläutert im Programmheft, ein Besuch in der Spanischen Hofreitschule habe die Produktion inspiriert.Ein baltischer „Rienzi“ aus dänischer RegieAls Riga im Jahr 2014 den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt trug, drängte sich eine Neuproduktion des „Rienzi“ geradezu auf. Schließlich hatte Wagner hier von 1837 bis 1839 als Kapellmeister am alten Stadttheater amtiert und mit der Komposition des Stücks begonnen, das er später nicht mehr zum Kanon seiner großen Musikdramen zählen wollte. Da die Balten aber im Verdacht stehen, aufgrund ihrer traumatischen Stalinismus-Erfahrung den Nationalsozialismus und dessen jüdische Opfer nicht ausreichend zu würdigen, ist ein „Rienzi“ in Riga zugleich eine heik...
First seen: 2026-07-22 06:38
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