Europäischer Wiederaufbauplan: 200 Milliarden Euro für Italien: Weniger wäre mehr gewesen

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Calascio ist mit seinen 119 Einwohnern und einer romantischen Burgruine ein beliebtes Ausflugsziel in den Abruzzen. Früher wohnten in dem Dorf 2000 Menschen. Damit nicht noch mehr abwandern, hat sich der umtriebige Bürgermeister 20 Millionen Euro aus dem EU-Wiederaufbaufonds besorgt. Zwei Kirchen wurden renoviert, ein Sportzentrum und ein Campingplatz eröffnet, mehrere Kulturfestivals fanden statt, neue Fremdenzimmer entstanden ebenso wie eine Bar, Kurse für Schäfer und Schneider wurden abgehalten. Das Geld war nicht das Problem bei Zuschüssen von rund 168.000 Euro pro Einwohner, sondern die Frage, ob es rechtzeitig ausgegeben werden konnte.Der EU-Wiederaufbaufonds wurde 2021 beschlossen und sollte Europa nicht nur aus der pandemiebedingten Starre helfen, sondern den Kontinent auch strukturell und damit dauerhaft weiterbringen. Rund 800 Milliarden Euro wurden von der EU-Kommission durch Eurobonds auf den Finanzmärkten aufgenommen. Italien bekam die enorme Summe von rund 194 Milliarden Euro zugestanden – 90 Prozent mehr als der Zweitplatzierte Spanien. Davon sind etwa 122 Milliarden Euro zinsgünstige Kredite, die zwischen 2028 und 2058 getilgt werden müssen. 72 Milliarden Euro erhielt das Land als Zuschüsse.Wettlauf mit der ZeitEnde August kommt das Riesenprogramm zu seinem Ende. Bis dahin muss das Geld ausgegeben sein. Diese Frist hatte im ganzen Land zu einem Wettlauf mit der Zeit geführt und Zweifel an der notorisch schwachen Verwaltung geweckt. Am Ende schaffte es Italien in einem beispiellosen Kraftakt einen großen Teil des Geldes in Projekte umzusetzen. Bahnlinien wurden gebaut, Glasfaserleitungen gelegt, Studentenwohnheime und Kindertagesstätten eröffnet. Die öffentliche Verwaltung bekam neue Computer und IT-Systeme, das Justizwesen durfte neues Personal einstellen, Monumente wurden restauriert.Die ursprünglichen Ziele waren freilich oft viel zu ehrgeizig und mussten erheblich heruntergeschraubt werden. Die Regierung veränderte auch mehrfach die Prioritäten. D...

First seen: 2026-07-23 19:09

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