Die 113. Tour de France war 3321 Kilometer lang, und die letzten Zentimeter auf den Champs-Élysées in Paris waren wohl die spannendsten. Rund zehneinhalb Kilometer vor dem Ziel hatte sich der Niederländer Mathieu van der Poel auf der letzten steilen Auffahrt zum Montmartre abgesetzt.Nur Tadej Pogačar konnte ihm folgen. Gemeinsam machten sie sich auf den noch langen Weg ins Ziel zu den Champs-Élysées. Zwei Fahrer jagten dem Feld voraus. Hinter den Superstars Pogačar und van der Poel raste eine Meute heran: hinter dem besten Rundfahrer, dessen Toursieg längst feststand, und dem besten Klassikerjäger seiner Generation.Pogačar, der überragende Fahrer dieser Tour, war bereit, auch am letzten Tag noch einmal eine große Show zu bieten. Der Slowene hatte noch immer Lust auf ein Duell mit van der Poel, auf ein Rennen am Limit. Pogačar und van der Poel waren das einzige Ausreißerduo, dem man zutrauen konnte, zehn, zwölf Sekunden Vorsprung bis ins Ziel zu retten.Vertauschte RollenAber dann, als van der Poel auf dem letzten Kilometer noch einmal verzweifelt beschleunigte, gingen Pogačar die Kräfte aus. Das rasende Feld schluckte ihn, während die Ziellinie auch für den Niederländer immer weiter zu entrücken schien.Ein Jahr lang, sagte er später, habe er davon geträumt und sich darauf vorbereitet, diese Etappe zu gewinnen. Nun war er allein. Kein Pogačar mehr da. Auch die Kraft schien ihn zu verlassen. Doch irgendwo fand er noch ein paar Reserven. Er senkte den Kopf, trat weiter und raste mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 52,9 Kilometern pro Stunde durch den letzten Kilometer.Hinter ihm schoss das Feld heran. Am Ende war es ein Wimpernschlag, mit dem van der Poel sich als Erster über die Ziellinie rettete. Danach stieg er schwankend vom Rad, ließ sich an der Absperrung zu Boden sinken und blieb dort liegen, körperlich und emotional am Ende. Zweiter wurde Jasper Philipsen, ein Teamkollege, für den van der Poel gewöhnlich die Sprints anzieht.Diesmal waren die Rollen vertau...
First seen: 2026-07-27 12:27
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