Grünen-Chefin Brantner schwört ihre Partei auf „Ehrlichkeit“ und „Realismus“ ein. Und will aus der Hinterlassenschaft der Liberalen neue Anhänger gewinnen. In Sachen Wehrdienst will sie nicht nur die Jungen in die Pflicht nehmen.Franziska Brantner, 46, ist seit 2024 Parteichefin der Grünen. In der Ampel-Regierung war sie Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium von Robert Habeck.WELT: Frau Brantner, am Sonntagabend gab es in Mainz großen Jubel für das Wahlergebnis von 7,9 Prozent. Sind die Grünen jetzt zufrieden damit, Klientel-Partei zu sein? Brantner: In Rheinland-Pfalz ging es um die Frage, ob wir dem „Staubsaugereffekt“ im Zweikampf der SPD gegen die CDU standhalten können. Dass uns das mit nur leichten Verlusten gelungen ist, hat mich gefreut, ebenso wie die Ergebnisse in Bayern. In München stellen wir erstmals den Oberbürgermeister in einer Millionenstadt. In Landsberg eine grüne Landrätin. Das ist großartig und zeigt, dass wir Grünen nicht aus der Mitte zu drängen sind. WELT: Cem Özdemir war mit einem radikalen Realo-Kurs in Baden-Württemberg sehr erfolgreich. Katrin Eder in Rheinland-Pfalz, die stark auf Klima und einen Anti-AfD-Kurs gesetzt hat, schnitt viel schwächer ab. Haben die Grünen nur Erfolg, wenn sie nicht auf ihre Kernthemen setzen? Brantner: Auf die Idee, Cem Özdemir mit Radikalität zu verbinden, ist bisher niemand gekommen. Er ist doch eher als pragmatischer Brückenbauer bekannt. Er hat auf die Verbindung von Wirtschaft und Klimaschutz gesetzt und damit gewonnen. Gleichzeitig waren die Ausgangsbedingungen ganz andere: Cem Özdemir konnte auf einer 15-jährigen Ministerpräsidentschaft aufbauen. In Rheinland-Pfalz war es dagegen richtig, den Fokus zu setzen auf die Botschaft: Achtung, da kommt Schwarz-Rot, das kennen wir gut aus dem Bund, die können nicht mit Geld umgehen, setzen wieder auf Abhängigkeiten von Öl und Gas und treiben uns so in die Kostenfalle. Für alle Grünen ist klar, dass es eine gute Wirtschaftspolitik braucht, die auf Innovation...
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