Nach Jahren des Aufrüstens setzt die Polizei beim Kampf gegen Fußballgewalt auf einen Strategiewechsel: Eingegriffen werden soll nur noch dann, wenn es die Lage wirklich erfordert.Hamburg will im Kampf gegen Fußballgewalt künftig auf einen Strategiewechsel setzen, den viele vor nicht allzu langer Zeit als viel zu riskant eingeschätzt hätten: Sie will, statt immer mehr, deutlich weniger Polizei einsetzen. Ausgerechnet in einer Stadt, in der mit dem HSV und dem FC St. Pauli regelmäßig zwei Rivalen aufeinandertreffen, deren Derbys als Hochrisikospiele gelten, will die Polizeiführung weg vom ewigen Hochrüsten. Timo Zill, Chef der Schutzpolizei, nennt die Strategie den „neuen Hamburger Weg“. Und der bedeutet: deutlich weniger Kräfte im Einsatz, mehr Verantwortung für Vereine und Fanmilieus, mehr Kommunikation. Und polizeiliches Eingreifen nur dort, wo es wirklich nötig ist.Zills Ausgangspunkt, wie er ihn in dieser Woche auf dem vom „Behördenspiegel“ und der Polizeigewerkschaft GdP organisierten Polizeitag skizziert, ist eine ernüchternde Diagnose. Der Fußball, sagt er, habe „tatsächlich in Teilen ein Gewaltproblem“. Über Jahre sei auf dieses im Fußball mit einer Logik reagiert worden, die immer neue Steigerungen produziert habe: mehr Beamte, mehr Trennung, mehr Absicherung. Der „traurige Höhepunkt“ sei das Stadtderby der Hinrunde gewesen. Damals standen nach seinen Angaben 1900 Einsatzkräfte bereit. Ein HSV-Fanmarsch mit Tausenden Teilnehmern traf auf eine St.-Pauli-Gruppierung, die als Fahrraddemo unterwegs war. Es war eine Lage, die die Einsatzkräfte maximal band.Aus dieser Erfahrung leitet Zill nun die Gegenstrategie ab. Intern kursiert dafür eine Formel, die provokant klingt: „Zero-Kräfte-für-Fußball“. Gemeint ist kein abrupter Rückzug, sondern langfristige Abrüstung. Die Polizei soll nicht mehr selbstverständlich überall dort stehen, wo eigentlich der Veranstalter zuständig ist. Perspektivisch, so beschreibt Zill den Anspruch, solle sie sich aus Bereichen wie dem St...
First seen: 2026-03-29 11:52
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