Mit dem Wandel ist es so eine Sache, gerade mit dem gastrokulturellen: Er kommt ja nicht über Nacht. Und wenn er mal da ist, vollendet auch für die Statistiker, dann sucht man nach Gründen. In Frankreich, einem Land mit gastronomischer und önologischer Hochkultur, ist ein Kippmoment passiert, von dem man dachte, dass es nie erreicht würde. Im vergangenen Jahr haben die Franzosen zum ersten Mal in der diesbezüglich empirisch erfassten Geschichte mehr Bier getrunken als Wein. Knapp nur zwar, aber gerade genug fürs Kippen: 22,1 Millionen Hektoliter zu 22 Millionen. En France!Die Prognose sei gewagt, dass sich dieser Trend so schnell nicht umkehrt. Wobei: Mit dem Wandel ist es ja so eine Sache. Warum also trinken die Franzosen weniger Wein?Nun, der entscheidende Grund liegt wahrscheinlich in einer verlorenen Tradition. Früher, als die Zeit noch langsamer zu verfliegen schien, verbrachten die Franzosen schon am Mittag viel Zeit mit dem Essen, bis in den mittleren Nachmittag hinein – eine Flasche auf dem Tisch. Das gehörte dazu, in vielen Berufen. In Gesellschaft machte man auch mal Geschäfte, leicht angeheitert liefen die sogar besser. Heute trinkt kaum mehr jemand am Mittag, schon gar keinen Wein. Es muss alles schnell gehen: eine formule und weiter.Der Wein hat also seine Alltäglichkeit verloren. Er gilt nun als Gelegenheitsgetränk, dafür braucht es schon einen besonderen Anlass – außer natürlich an den Zinntresen auf dem Land. Am meisten verlieren deshalb die Rotweine, zumal die schweren, vor allem die aus den Weingütern rund um Bordeaux. Für viele Winzer ist diese Entwicklung dramatisch, wo sie doch schon geplagt sind vom Klimawandel. Diese Wandel!Cognac:Nüchtern betrachtetEinst stand Cognac für Luxus und Savoir-vivre. Heute leiden die Brennereien in Frankreich unter der Unordnung der Welt. Zwei kleine Produzenten aber wollen sich nicht geschlagen geben.SZ PlusVon Alexandra Föderl-SchmidDie jüngeren Generationen, und das ist wohl der zweitwichtigste Grund, mögen ihre...
First seen: 2026-05-22 09:16
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