In seiner Analyse hat Carsten Kengeter Recht gehabt. Vor gut zehn Jahren sagte der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, das Unternehmen, das für den Finanzplatz Frankfurt eine Art Nukleus ist, könne mit dem klassischen Aktienhandel nicht mehr wachsen und müsse stattdessen neue Wege gehen. Bloß hatte sich der Investmentbanker und Visionär Kengeter in einer anderen Sache offensichtlich vertan: im Instrument. Denn Kengeter fokussierte sich 2016 und 2017 im Streben um neue Stärke ganz auf eine Maßnahme, die höchst umstritten war und letztlich scheiterte: eine Fusion mit der London Stock Exchange.Es waren aufregende Zeiten in den Monaten, in denen Kengeter versuchte, den Zusammenschluss zwischen den Börsen aus Frankfurt und London mit aller Macht durchzudrücken. Die Fusion sollte neue Märkte erschließen, das Produktangebot erweitern und Investitionen in Technologie erleichtern. Die Gedankenspiele des Mannes sahen vor, dass er den fusionierten Konzern leiten und dieser unter britischem Recht seinen Hauptsitz in London haben würde.In London? Dass diese vermeintliche Kleinigkeit den Finanzplatz in helle Aufregung versetzen würde, hat Kengeter sicher geahnt. Doch dass der Gegenwind aus Frankfurt so hart sein würde, damit dürfte er dann doch nicht gerechnet haben. Denn während Börsenexperten und auswärtige Beobachter durchaus konstatierten, dass die deutsch-britische Hochzeit dafür sorgen könnte, den wachsenden Börsen aus Asien und den USA einen europäischen Champion entgegenzusetzen, übten in Hessen und speziell in Frankfurt zahlreiche Beobachter harsche Kritik daran, dass die traditionsreiche Frankfurter Börse künftig von London aus geführt werden sollte – und das Herz des Finanzplatzes damit bildlich gesprochen verpflanzt werden sollte.Geplante Börsenfusion: Die Fehler des Carsten KengeterKengeter stellte Hessen, offenbar in der Erwartung von wenig Gegenwind aus Wiesbaden, vor vollendete Tatsachen. Das Bundesland und die dortige Börse sollten sich gefälligst ...
First seen: 2026-07-22 16:48
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